ach ihr lieben…

7. Januar 2013

ich hab ein ganz schlechtes gewissen. weil ich mich sooo lange nicht gemeldet hab. entschuldigung!

mir und meinem nachwuchs geht es bestens. es ist übrigens ein junge geworden!
er kam 4 wochen früher als geplant. mittlerweile weiß ich, dass kinder sich nur selten an pläne halten… hihi. er erfreut sich bester gesundheit und auch mama und papa sind glücklich. allerdings habe ich doch unterschätzt, wieviel aufmerksamkeit so ein kind braucht und wie anstrengend es ist, wenn man das kind nicht nach einigen stunden an die nächste person weitergeben kann. deshalb kann ich keine regelmäßigen posts versprechen. aber ich hoffe ich kann mich zumindest alle paar wochen mal melden.

danke für die lieben glückwünsche und dafür, dass ihr noch immer an mich denkt!

dr. bussibussi

19. Juli 2012

ein wunderbar ruhiger mittwoch nachmittag. alle kindeleins sind versorgt, stabil und zufrieden. zeit für ein kaffeepäuschen mit den kolleginnen.

*ringring* das telefon klingelt.

“neonatologie 1A, schwester natalie am apparat”

“ja hallo, dr. bussibussi hier. ich hab da mal ne frage. wie siehts denn bei euch so mit betten aus?”

ich bin etwas verwirrt. dr. bussibussi ist nämlich kein neonatologe oder sonst irgendein kinderarzt. nein, er ist gynäkologe. aber nicht irgendeiner. er ist ein offensichtlich sehr erfolgreicher gynäkologe, mit privatpraxis im besten teil der stadt. zu seinen patienten zählen ausschließlich äußerst zahlungskräftige damen. gerüchten zufolge hat er auch sowas wie eine kinderwunschklinik im ausland, in der man dinge machen lassen kann, die hierzulande verboten sind. ob das stimmt weiß aber niemand so genau.

egal, denn so oder so. er ist gynäkologe und wir eine neonatologie. patiententurfing is hier nich.

“wie, mit betten?”

“na, sie haben ja diese mutter-kind-zimmer, nicht wahr?”

“ähm, ja schon, aber…”

“ich habe da nämlich eine patientin mit blasensprung, die ist heute dreiundreißig plus eins. und die würde ich gerne in den nächsten tagen sectionieren. da wollte ich mal nachfragen, wann es denn am besten ist, damit sie dann gleich in dieses zimmer kann.”

ich halte einen moment inne und überlege, ob ich das gerade richtig verstanden habe. dr. bussibussi möchte also, dass ich ihm sage, wann er die sectio ansetzen soll, damit wir die frisch operierte mutter samt kind aufnehmen können…?!

“oh. wir nehmen aber keine frisch sectionierten mütter auf. die mütter müssen bei uns in der lage sein ihr kind völlig selbstständig zu versorgen. außerdem können wir die mutter in keiner weise medizinisch oder pflegerisch versorgen.”

“aaach, das kriegen wir schon hin. wir würden ihr ja die nummer unserer station geben und sie kann sich dann rund um die uhr bei uns melden, wenn sie was braucht.”

ja genau. jedes mal, wenn sie schmerzen hat, hilfe beim aufstehen und der körperpflege braucht und sonstige fragen zum wochenbett hat, wird sie anrufen. dann wird eine schwester von der gefühlt 1000km entfernten gynäkologie rübergelaufen kommen und ihr helfen. klar.

“wissense, die frau ist eine privatpatientin von mir…”

“ach neee…”

“ja, und die wünscht sich halt so sehr von anfang an bei ihrem baby zu sein.”

“das kann ich wirklich gut verstehen. trotzdem geht das nicht. sie kann aber jeder zeit, rund um die uhr zu besuch kommen. und wenn es ihr körperlich besser geht und sie von ihnen entlassen wird, dann kann sie gerne in ein mutter-kind-zimmer ziehen, wenn eines frei ist. derzeit sind sowieso alle belegt und werden vor freitag auch nicht frei.”

“mhm… freitag… mhm… ja na dann, wiederhören!”

eine stunde später. unser oberarzt stürmt wütend die station.

“wer hat um himmels willen zu dr. bussibussi gesagt, dass wir am freitag seine hochprivate 33. woche samt mutter aufnehmen können?!”

ich nicht. ich schwörs!

vorbereitsungsmuffel deluxe

13. Juli 2012

ich betreue den (eigentlich gar nicht so) kleinen martin. er wurde vor etwa 2 wochen in der 33. schwangerschaftswoche geboren. martin ist ein absolutes wunschkind. seine eltern wünschen sich bereits seit vielen jahren ein kind, haben viele fruchtbarkeitsbehandlungen hinter sich. die jüngsten sind sie auch nicht mehr, beide über 40. dann, mit der 4. ivf, hat es endlich geklappt. dass martin ein paar wochen zu früh geboren wurde, ist für die eltern nicht weiter tragisch. sie sind froh, dass sie ihren sonnenschein haben und dass es ihm gut geht.

martin steht kurz vor der entlassung. anfang nächster woche soll es soweit sein.

während papa martins windeln wechselt und ihn eincremt, komme ich mit der mama ins gespräch. ein bisschen smalltalk. ich frage, ob sie zu hause schon alles für martin vorbereitet haben. nunja, eigentlich nicht so wirklich. sie möchten nichts kaufen, was sie dann doch nicht brauchen. eigentlich eine kluge einstellung, wie ich finde. solange man eine gewisse grundausstattung zu hause hat, eh klar. -stille- grundausstattung?

es stellt sich heraus, dass die eltern, die sich seit jahren nichts sehnlicher gewünscht haben, als ein eigenes kind, nicht einen einzigen gegenstand für ihr kind gekauft oder sonstwie organisiert haben. sie haben also nix für ihr kind zu hause. gar nix. keine kleidung, kein bett, keine decke, keinen kinderwagen, keinen autositz. einfach nichts. nicht mal eine einzige windel.

oh doch! da fällt der mama doch ein, dass sie von freunden und familie ja zur geburt was geschenkt bekommen haben. einen strampler mit einem löwen drauf, mit dazu passender mütze… und noch einen gestreiften… und das niedliche paar söckchen… und die weiche rassel! oookeeeey. na immerhin ein anfang. ja und den autositz, den werden sie sich aus der familie ausborgen, ist quasi ein familienerbstück – 12 jahre alt, sieht aber aus wie neu! *hust*

ich habe dann also mit den eltern gemeinsam eine liste mit den wichtigsten dingen erstellt und ihnen empfohlen, am besten noch heute, die babygeschäfte der umgebung abzuklappern.

ehrlich, wie schafft man es als schwangere frau (oder mitschwangerer mann) 33 wochen lang kein einziges teil fürs baby einzukaufen? nicht mal wenn ich es versuchen würde, würde ich das schaffen. ich meine, ich bin noch nicht mal bei der halbzeit, aber wenn ich so weitermache, dann kann ich in der 40. woche ein eigenes babybedarfsgeschäft aufmachen (ist vielleicht das andere extrem).

und falls jetzt jemand denkt, das ganze hätte was mit aberglaube oder so zu tun, der liegt falsch. die eltern hatten sich darüber schlicht und einfach noch keine gedanken gemacht. das würde man vielleicht von einer 14jährigen teenager-mutter erwarten. aber mit über 40 und jahrelangem kinderwunsch…

was hätte diese familie gemacht, wenn martin nicht zu früh geboren wäre? wenn er 3 tage nach der geburt einfach nach hause entlassen worden wäre?

piep

5. Juli 2012

sorry für die lange abstinenz (schon wieder…). damit sich hier keiner sorgen macht, geb ich mal wieder ein kurzes lebenszeichen von mir.

es geht mir bestens! mehr als das sogar. und neuigkeiten gibts auch. ich bin schwanger! fühlt sich noch immer ganz komisch an, das zu sagen und zu schreiben. aber ja, es stimmt. noch dieses jahr werde ich mama. dementsprechend habe ich derzeit vieles im kopf, nur nicht die arbeit. hihi.

tja und so ganz weiß ich nun auch nicht, wie es mit diesem blog hier weiter gehen soll. ich werde zwar schon weiterhin arbeiten gehen, an geschichten wird es also in den nächsten wochen wohl nicht mangeln, aber was ist danach? ich weiß es noch nicht. vielleicht lege ich den blog still, vielleicht bekommt er eine neue richtung… mal sehn. vielleicht habt ihr ja auch eine tolle idee? bin für vorschläge offen.

eine pflegerunde mit daniel

20. April 2012

dienstübergabe. die kollegin vom nachtdienst übergibt mir daniel. schwangerschaftswoche 28+4, 4 tage alt, 874g geburtsgewicht, aktuell 810g. sectio wegen vorzeitigem blasensprung und infektion der mutter. komplett lungengereift. apgar 7/8/9. kindliche infektwerte nach der geburt positv, deshalb antibiotikatherapie. am infantflow mit 5-6 PEEP, sauerstoffbedarf um die 28%, in bauchlage bis auf 23% zu reduzieren. einige apnoen mit tiefen abfällen, immer zu stimulieren, hat um 3 uhr einmalig ein zusätzliches coffein erhalten, seit dem deutlich besser. essen geht solala, er bekommt 8x4ml, die verträgt er mäßig, immer angedaute magenreste. wegen der respiratorischen situation wurde das essen einmal pausiert und i.v. ersetzt. der schwemmi (= zentraler venenzugang) geht gut und ist o.b. temperatur instabil, kühlt noch rasch aus, berührungsempfindlich. seit gestern IVH I bekannt.

etwas später. daniel ist munter und brüllt sich in seinem inku die seele aus dem leib, sein IF unterstützt ihn mit heftigen gepiepe. wenig später setzt natürlich auch sein monitor ein. ich mache noch die letzten handgriffe bei meinem anderen patienten und wende mich dann gleich daniel zu.

erstmal gibts für den jungen mann ein leckeres teestäbchen und eine begrüßung in form einer großflächigen berührung. damit beruhigt sich daniel auch gleich wieder. und auch seine diversen gerätschaften. während daniel zufrieden das teestäbchen in seinem mund hin und her schiebt, drehe ich die inkubatortemperatur mal um ein grad höher, da ich ja weiß, dass daniel schnell auskühlt.

dann wirds aber ernst. wir haben einiges vor. erstmal blutdruck messen. dann temperatur axillär. dann pampers wechseln inklusive bauchmassage, denn der bauch ist doch ganz schön gebläht (aber weich). dann müssen wir auch noch unter den IF sehen. und natürlich gibts auch da wieder eine schöne kopf- und gesichtsmassage. leider ist daniel davon nicht so begeistert, also halten wir diesen punkt kurz. dann werfen wir noch einen kurzen blick auf daniels nabelschnurrest. alles schön, da brauch ich nix zu tun.

jetzt kommt der anstrengenste teil. das wiegen. zum glück hat der inkubator eine eingebaute waage, so müssen wir wenigstens nicht ins kalte. aber ich würde daniel schon gerne ohne IF wiegen, wenn es geht. dafür muss er aber etwa 20 oder 30 sekunden ohne IF auskommen. ob das geht weiß ich nicht so sicher, aber wir probieren es. um daniel etwas zu helfen erhöhe ich den sauerstoff im inkubator mal auf 35%. dann geht los. IF weg. knopf drücken. kurz warten. sättigung 85%. daniel hochheben. kurz warten. angestrengte atmung, sättigung 81%. daniel wieder ablegen und gewicht ablesen. 810g. bei 78% sättigung und angestrengter atmung bekommt daniel endlich wieder seinen IF. ich bin zufrieden, das wiegen hat bestens funktioniert. daniel hat das sehr gut gemacht.

ich entferne den sättigungssensor vom linken fuß und befestige ihn nun am rechten. damit keine druckstelle entsteht. die ekg-elektroden halten noch gut, ich muss sie nicht wechseln. die temperatursonde stecke ich seitlich in daniels pampers. auf die linke seite, weil ich daniel nachher in linker seitenlage lagern möchte. dann kommt noch die nasenpflege dran. da muss ich aber nicht viel machen, daniels nase ist wunderbar intakt, keine rötungen, keine abdrücke, nix.

nachdem alles wieder vollständig auf daniel montiert ist und ich den inkubator wieder auf seine ausgangseinstellungen reduziert habe, wird daniel noch fest in ein weiches tuch eingewickelt und dann gelagert. ich aspiriere den halben milliliter angedaute milch von der letzten mahlzeit aus seinem bauch, gebe ihn wieder zurück und sondiere ihm seine 4ml milch im freien fall dazu. daniel hat die augen noch offen und beobachtet mich dabei neugierig, während er zufrieden auf seinem neuen milchstäbchen herumkaut.

daniel kommt mir etwas gelb vor. also seine hautfarbe. deshalb messe ich den gelbsuchtwert. subkutan, ganz ohne piekser. der wert ist grenzwertig hoch. das muss ich dann nachher einem arzt sagen. wahrscheinlich muss daniel unter die phototherapie.

da daniel noch wach und zufrieden ist, bedecke ich seinen inkubator noch nicht vollständig mit der decke (zur reizabschirmung), sondern lasse ihm noch die möglichkeit etwas herumzusehen.

kurzer blick in den PC. daniel bekommt noch ein antibiotikum i.v. also geh ich das mal aufziehen und hänge es gleich danach an. unter sterilen bedingungen versteht sich. also perfusorspritze einspannen, sterilen tupfer in den inku, line in den inku (mit dem ende auf dem sterilen tupfer, versteht sich), inku-türen auf, sterile handschuhe an, line an den schwemmi anschließen. perfusor starten. fertig.

nun verräume ich die gebrauchten utensilien wieder, wiege die angepullerte pampers und wische alle flächen einmal mit dem flächendesinfektionsmittel. danach werfe ich wieder einen blick auf daniel. er ist eingeschlafen. langsam und vorsichtig ziehe ich ihm sein milchstäbchen aus dem mund und bedecke seinen inktubator nun komplett mit der decke. schlaf gut!

dann gehts ans dokumentieren. haut intakt. hautfarbe ikterisch. schleimhaut rosig. alle extremitäten warm. beatmungseinstellungen unverändert. atemmuster periodisch, während der pflege leichte einziehungen intercostal und sternal. die pampers hatte 31g. die pampers selbst wiegt 13g, also waren 18ml harn drin. wunderbar. abdomen mittel gebläht, weich, keinen stuhl gehabt, bauchmassage durchgeführt. 0,5ml angedaute magenreste, zurück gegeben. magensonde nach dem sondieren offen belassen (damit die luft, die durch den IF in den magen geblasen wird, entweichen kann). bewegungsmuster altersensprechend. berührungsempfindlich? ein bisschen, ja.

die waage zeigte mir 810g. davon muss ich jetzt noch die 13g (frische) pampers abziehen, die daniel beim wiegen anhatte. also neues gewicht: 797g. im vergleich zu gestern sind das 13g weniger. alles im rahmen.

inkubatoreinstellungen unverändert. notiz: temp. während der pflege um 1°C erhöht. dennoch etwas ausgekühlt. lagerung: seitelage links. mundpflege: tee und milch. nasenpflege: NaCl 0,9%. haut intakt.

hauptinfusion läuft, fett läuft. die laufraten stimmen auch. antibiotika i.v. verabreicht.

feddisch!

freitag der dreizehnte

13. April 2012

… eindeutig ein tag zum feiern! warum?

dieser blog ist nun schon 2 jahre alt!

ich danke euch allen von herzen fürs fleißige lesen! :D

stomadress-frust

3. April 2012

ich habs ja schon mal erwähnt. aber zur zeit wurmt es mich wieder ganz schön. diese blöde stomadress-kleberei.

wir haben derzeit nämlich grad wieder 2 stoma-kinder. also kinder mit künstlichen darmausgang. wäre alles halb so wild, wenn das stomadress, also dieses plastikteil, das über den künstlichen darmausgang geklebt wird, um den stuhl aufzufangen, auch mal länger als einen tag halten würde. tut es aber nicht. warum? keine ahnung.

mich ärgert ja nicht nur die tatsache, dass ich alle paar stunden das kind komplett waschen und umziehen, und auch das bett komplett frisch machen darf. aber, da unsere patienten in der regel ein dünndarmstoma haben, und der stuhl aus dem dünndarm recht agressiv ist (vor allem für frühchenhaut), entstehen natürlich total schnell rötungen und hautdefekte. und ein hautdefekt ums stoma ist echt kein spaß. erstens tut das weh, besonders wenn ständig wieder stuhl drauf kommt, zweitens lässt es sich nur schwer pflegen und drittens ist es einfach doof.

die stomaschwester ist mittlerweile dauergast bei uns. und ist auch schon ganz ratlos. vor allem, weil das stomadress ja nicht bei allen kindern ständig runter geht, sondern nur bei manchen. bei anderen hälts ja auch wieder 2 oder 3 tage. mehr wolln wir ja schon gar nicht. *seufz*

ich glaube ja, die pööööhse stomadress-industrie macht das absichtlich, damit wir möglichst viel material verbrauchen. jawollja!

lebenszeichen

22. März 2012

sorry für die lange stille. momentan hab ich irgendwie kaum zeit zum bloggen. *schnüff*

und weils euch so viel interessiert: elena wurde bereits zur pflegefamilie nach hause entlassen. viel mehr weiß ich nicht. nur, dass die eltern sie jeden tag besuchen kommen dürfen. falls ich wiedermal was höre, werd ichs euch natürlich nicht verheimlichen. in der regel ist es aber mit der entlassung vorbei für mich. an infos komme ich danach, wenn überhaupt, nur durch zufall.

ich hoffe, ich komme in den nächsten tagen mal wieder zum posten. versprechen kann ich aber leider nüx.

was sein muss, muss sein.

5. Februar 2012

es geht wieder um elena.

auch die letzten zwei wochen haben leider gezeigt, dass elenas eltern in den nächsten jahren nicht in der lage sein werden, selbstständig für ihr kind zu sorgen.

da es in den nächsten 2-3 jahren keine chance auf eine unterbringung in einer betreuten eltern-kind einrichtung gibt und die großmutter aus finanziellen gründen ihren job nicht aufgeben kann (und ich glaube auch nicht will), brauchen wir also eine andere lösung.

die erste idee war, dass die familie und die großmutter in einen gemeinsamen haushalt zu vereinen. dazu wären auch alle seiten bereit gewesen. während die oma arbeiten geht, hätten wir ein komplexes netz aus diversen betreuern und hilfen gestrickt, sodass immer jemand bei der familie ist. wäre ne tolle idee, mit viel arbeit und organisation sogar realisierbar, aber leider finanziell nicht machbar. oder zumindest nicht lange.

das thema fremdunterbringung wurde erstmals angesprochen, auch mit den eltern. glücklich war darüber keiner. auch wir nicht so wirklich. aber elenas sicherheit geht vor.

tja. und nun ist das jugendamt offiziell auf der suche nach einer pflegefamilie. es besteht jetzt doch ein ausfolgeverbot. besuchen dürfen die eltern ihre tochter natürlich. sie übernehmen auch weiterhin die pflege an der station. sie werden sicher ein ausgedehntes besuchsrecht erhalten. aber trotzdem.

ich glaube, am meisten trifft diese entscheidung die großmutter. sie hat große schuldgefühle. die eltern selbst verstehen es nicht so wirklich, denke ich. für sie ist es, als würde ihre tochter wieder auf eine andere “station” kommen, wo sie sie dann besuchen und pflegen dürfen.

traurig, dass es soweit kommen muss. ich hätte es nicht gedacht. ich war mir sicher, dass man eine andere lösung findet. hoffentlich findet man jetzt wenigstens eine nette pflegefamilie in der nähe.

elena und ihre besonderen eltern

21. Januar 2012

elena wurde ende november in der 26. schwangerschaftswoche geboren. sie ist jetzt also etwa in der 34. woche. elena hatte lange schwierigkeiten mit der atmung, musste immer wieder für längere zeit beatmet werden. jetzt geht es der kleinen maus aber schon deutlich besser. sogar so gut, dass sie nun seit einer woche bei uns liegt.

das eigentlich schwierige am “fall elena” sind aber ihre eltern.

elenas mutter hatte als kind eine enzephalitis und ist seither kognitiv beeintächtigt. “geistig behindert”, wie man sagt. sie ist nicht besachwaltet, ist also vor dem gesetzt mündig. dennoch merkt man ihr stark an, dass sie nicht “normal” ist. auch in der motorik hat sie so ihre probleme.

mit dem vater ist es das gleiche. er hatte mit 18 einen schweren autounfall. er ist zwar motorisch besser als die mutter, kognitiv sind sie aber am gleichen stand.

ein beispiel.

elena wird von ihrer mama gebadet. nicht zum ersten mal. dennoch hat sie extrem große schwierigkeiten ihre tochter in der badewanne über wasser zu halten. und das, obwohl sich elena im wasser ganz ruhig verhält. gestern ist ihr das kind sogar tatsächlich komplett aus der hand gerutscht und untergetaucht. es ist nix passiert, meine kollegin hat blitzschnell reagiert und elena herausgefischt. aber alleine baden lassen kann man diese mutter auf gar keinen fall. sie ist viel zu unsicher.

noch eins.

elena wird von ihrem papa gefüttert. elena tut sich bei trinken noch etwas schwer. die koordination zwischen saugen, schlucken und atmen fällt ihr nicht leicht, deshalb kommt es immer wieder zu abfällen. nix außergewöhnliches. auch die eltern wissen das. aber so richtig verstehen tun sie es leider nicht. der papa weiß, dass er seiner tochter die flasche aus dem mund nehmen muss, wenn der monitor alarmiert oder wenn die kleine hustet. und das tut er auch. er kann seine tochter auch super zum trinken motivieren und stimulieren. aber wenn elena ein problem hat, dann merkt er es erst, wenn der monitor anschlägt.

eins geht noch.

elena liegt im bett, am rücken. die mutter sitzt neben dem bett und streichelt sie. plötzlich erbricht elena ein wenig und hat sichtlich probleme damit, weiterzuatmen. sie schnappt nach luft, verzieht das gesicht. was tut die mutter? sie wischt ihr vorsichtig und liebevoll die ausgespuckte milch aus dem gesicht, lacht, und bewundert die lustigen grimassen, die elena macht. ich stand zufällig grad neben dem bett, als das passierte. die mutter hatte nicht bemerkt, dass ihre tochter nach atem ringt, weil der monitor noch nicht alarmiert hatte.

ganz ehrlich. die eltern sind wirklich unheimlich nett. und sie lieben ihre tochter über alles, das sieht man auch ganz deutlich im umgang mit ihr. aber sie haben leider kein gefühl im umgang mit ihrem baby. sie haben schon viel gelernt. sie wissen, wenn a passiert, dann muss man b tun. aber oft haben sie schwierigkeiten die situation richtig einzuschätzen. viel zu oft.

noch ist elena nicht so weit, dass sie bald nach hause gehen wird. aber wir stellen uns durchaus schon jetzt die frage, wie das zu hause laufen wird. wir alle hätten kein gutes gefühl elena “einfach so” mit ihnen nach hause zu schicken.

die eltern werden von elenas oma mütterlicherseits in ihrem alltag unterstützt. also, sie geht mit ihnen einkaufen und und so weiter. allerdings ist sie selbst noch berufstätig und kann so nicht rund um die uhr für die familie da sein. der vater hat keine eltern mehr.

deshalb wurde nun das jugendamt involviert. ich hoffe wir kommen zu einer lösung, mit der alle einverstanden sind.


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